Krampfadern – Ursachen & Symptome

Wodurch Krampfadern entstehen – Funktionsweise und Aufgabe der Venen

Im menschlichen Körper sind die Venen (eine Ausnahme bilden lediglich die Lungenvenen) dafür verantwortlich, das sauerstoffarme Blut aus den Geweben aufzunehmen und zurück zum Herzen zu transportieren. Da sie hierbei gegen die Schwerkraft arbeiten, werden sie im Beinbereich von den sogenannten Muskelpumpen unterstützt: Ziehen sich die Beinmuskeln zusammen, werden die tiefen Venen, vergleichbar mit einem Schwamm, ausgepresst und das Blut wird zum Herzen gepumpt. Da die tiefen Venen auch das Blut aus den oberflächlichen Venen sammeln und die Venenklappen wie eine Art Rückschlagventil wirken, wird ein Rückfluss des Blutes verhindert, zumindest dann, wenn die Muskeln angespannt werden. Darüber hinaus helfen die Sogwirkung des Herzens und die beim Atmen entstehenden Druckveränderungen im Bauch- und Brustraum beim Rücktransport des Blutes aus den tief liegenden Beinvenen. Grundsätzlich sind Venen viel dünner und dehnbarer als beispielsweise Arterien (Schlagadern) und auch der Druck des Blutes in den Venen ist merklich niedriger, zudem fließt das Blut langsamer und Venen sind deutlich aufnahmefähiger. Dies liegt vor allem in der Tatsache begründet, dass die Venen für etwa 85 Prozent des gesamten Bluttransportes verantwortlich sind. Leidet ein Patient nun unter einer Bindegewebsschwäche, erschlaffen die Venenwände sukzessive, so dass die Venenklappen nicht mehr richtig schließen, d.h. nicht mehr dicht sind. Folge ist ein Versacken des Blutes im oberflächlichen Venensystem, aus dem es eigentlich in die tiefen Venen abfließen sollte, was wiederum zu einer enormen Volumenbelastung (Blutüberfüllung) der Venen führt und diese sich schließlich verformen und erweitern. Mit der Zeit kann sich dieser Vorgang dann sowohl in den Perforansvenen und im Spätstadium auch in den tiefen Venen ereignen.

Grundsätzlich unterscheidet man – entsprechend der Genese – zwischen primärer und sekundärer Varikose, und zwar auch bezüglich ihrer Ursachen:

Ursachen der primären oder idiopathischen Varikose

Als Ursache der primären Varikose gilt eine konstitutionell oder genetisch bedingte Venenwand- beziehungsweise Bindegewebsschwäche. Äußerliche Faktoren wie zum Beispiel übermäßige Sonneneinstrahlung, Wärme oder aber das Übereinanderschlagen der Beine spielen als Ursachen keine Rolle.

Faktoren, die das Entstehen von primärer Varikose begünstigen sind:

  • Hände an Tastaturstehende oder sitzende Tätigkeiten
  • Fettleibigkeit (Adipositas)
  • eine bestehende Schwangerschaft
  • Rechtsherzinsuffizient

Ursachen der sekundären Varikose

Eine sekundäre Varikose entsteht in der Regel dann, wenn der Blutfluss in den tiefer liegenden Beinvenen gestört ist, d.h., wenn das Blut in selbigen nicht mehr ungehindert abfließen kann. Ursachen hierfür sind entweder ein Blutgerinnsel (Thrombus) oder aber ein raumfordernder Tumor im Ausstrombereich einer tiefen Leitvene. Damit der gestörte Blutfluss ausgeglichen werden kann, entsteht ein sogenannter Umgehungskreislauf, durch den das Blut über die oberflächlichen Venen transportiert wird, was zur Folge hat, dass sich diese erweitern.

Faktoren, die das Entstehen von sekundärer Varikose begünstigen sind:

  • eine tiefe Beinvenenthrombose (Phlebothrombose)
  • Venenklappeninsuffizienz (chronisch-venöse Insuffizienz)
  • erhöhter Druck des Blutes in den Venen (venöse Hyptertension)

Symptome/Anzeichen von Krampfadern

Als charakteristische Anzeichen von Krampfadern gelten Besenreiser oder netzförmige, geschlängelte deutlich durch die Haut scheinende bläulich-rote Venen, die häufig mit Symptomen wie Spannungsgefühlen in den Beinen, Hautreizungen oder Schwellungen verbunden sind.

Die Ursprünge liegen meist im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter

Häufig beginnen Krampfaderleiden bereits im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter: Nach und nach entwickeln sich Besenreiser oder anfangs kleine, bläuliche und knotenartige verdickende Venen, welche durch die Haut sichtbar werden. Die harmloseste und kleinste Form von Krampfadern sind die Besenreiservarizen, die meist rötlich-blau gefärbt sind und von den feinen Venenästchen der oberen Hautschicht ausgehen. Später sind häufig die netzartig ausbreitenden größeren Venen, die sogenannten retikulären Varizen, betroffen, welche bläulich durch die Haut schimmern. Erst wenn auch die Stammvenen oder deren Seitenäste von Varikose betroffen sind, zeigen sich die charakteristischen Knoten oder Stränge und treten als teils kaliberstarke Krampfadern hervor.

Zunehmende Symptomatik je nach Varikose-Form

Grundsätzlich nehmen die Beschwerden von den anfänglich bestehenden Besenreisern bis hin zu den großen Krampfadern der Stammvenen kontinuierlich zu. In der Regel leiden die Patienten unter immer stärker werdendem Schwere- und Spannungsgefühl sowie – gerade bei längerem Sitzen oder Stehen – Schmerzen in den Beinen. Wärme beziehungsweise sehr hohe Temperaturen wirken als Beschwerdekatalysator ebenso wie das Einsetzen der Menstruation bei Frauen. Darüber hinaus verstärkt sich auch die Tendenz zu Ödemen (Schwellungen), entzündlichen Hautreizungen verbunden mit Juckreiz und dunklen Verfärbungen (Pigmentierungen).

Die häufigsten Symptome lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Spannungs- und Schweregefühle in den Beinen
  • Ödeme im Beinbereich
  • rötlich-blaue oder auch bräunliche Hautverfärbungen an den Beinen
  • stechender oder brennender Schmerz
  • Wärmegefühl und Juckreiz an den Beinen
  • nächtliche Wadenkrämpfe
  • dünne, glänzende oder durchscheinende Haut über den Venen
  • Verstärkung der Symptome durch Wärme

Krampfadern während der Schwangerschaft

Etwa 40 Prozent aller Frauen, die von Varikose betroffen sind, erwarben ihre Krampfadern während oder im Anschluss an eine Schwangerschaft. Als Ursache hierfür gelten die folgenden schwangerschaftsbedingten Veränderungen, die die Venenfunktion negativ beeinflussen:

  • schwangere FrauSchon ab der sechsten Schwangerschaftswoche kommt es zu einer kontinuierlichen Zunahme des Blutvolumens (letztlich bis zu 50 Prozent).
  • Infolge des veränderten Hormonhaushalts, d.h., insbesondere durch den erhöhten Progesteronspiegel, kann es zu einer Weiterstellung der Venen und somit zu einer Störung der Venenklappenfunktion kommen; daraus resultiert wiederum eine Störung des Blutflusses, dass nun nicht mehr stets zielgerichtet zum Herzen hin, sondern auch zurück beispielsweise in Richtung Fuß fließen kann.
  • Der Druck der stetig wachsenden Gebärmutter auf die Beckennerven führt darüber hinaus zu einem verlangsamten Blutfluss in den Venen der Beine.

Daneben ist während der Schwangerschaft die Funktion der Muskelpumpen im Beinbereich um etwa 30 Prozent reduziert, was zur Folge haben kann, dass bereits bestehende Krampfadern enorm zunehmen. Sinnvoll ist es hier jedoch, klar zwischen einer bereits vor der Schwangerschaft bestehenden Varikose und den sogenannten Schwangerschaftskrampfadern zu unterscheiden, denn Schwangerschaftskrampfadern bilden sich erstmalig während oder kurz nach der Schwangerschaft und bilden sich in der Regel vier bis sechs Wochen nach der Entbindung wieder zurück.

Das Risiko für Schwangerschaftskrampfadern hängt jedoch von verschiedenen Faktoren, d.h. vor allem der Anzahl der Schwangerschaften sowie dem Alter der Frau, ab:

Während das Risiko einer Varikose in der ersten Schwangerschaft noch bei 34 Prozent liegt, steigt es bereits in der zweiten auf 60 Prozent und liegt ab der dritten Schwangerschaft schließlich bei 70 Prozent. Ähnliches ist bezüglich des Alters zu beobachten: Bei Frauen unter 25 Jahren ist das Varikose-Risiko in der Schwangerschaft im Vergleich zu über 35-jährigen Schwangeren viermal geringer. Daneben können auch genetische Faktoren eine Rolle spielen: Bei Schwangeren, in deren Familie es zu einer Häufung von Varikose-Erkrankungen kam, ist das Risiko an Krampfadern zu erkranken gleich sechs Mal höher.

Varikose-Vorbeugung in der Schwangerschaft

Eine mögliche Präventivmaßnahme besteht im Tragen von Kompressionsstrümpfen, und zwar von Beginn der Schwangerschaft an. Wichtig ist es, darauf zu achten, dass die Kompressionsstrümpfe perfekt sitzen, was auch bedeuten kann, dass sie im Verlauf der Schwangerschaft eventuell neu angepasst werden müssen. Darüber hinaus verlieren Kompressionsstrümpfe in der Regel ohnehin nach sechs Monaten an Elastizität, so dass der gewünschte Kompressionseffekt nicht mehr gegeben ist und man die Strümpfe erneuern sollte. Natürlich müssen Schwangere die Kompressionsstrümpfe lediglich tagsüber tragen und sollten darüber hinaus auf ausreichend Bewegung achten und nicht vergessen, die Beine auch einfach einmal hochzulegen.

Varikose-Therapie während der Schwangerschaft

Bezüglich der Behandlungen von Krampfadern während der Schwangerschaft ist Zurückhaltung oberstes Gebot. Da in vielen Fällen unklar ist, ob sich die Varikose nicht in den ersten vier bis sechs Wochen nach der Entbindung wieder zurückbildet, was laut Statistiken bei circa 80 Prozent aller Frauen der Fall ist. Darüber hinaus wird der Nutzen einer Verödung – welche grundsätzlich zwischen der 12. und 36. Schwangerschaftswoche möglich ist – in medizinischen Fachkreisen sehr kontrovers diskutiert. Daneben darf nicht vergessen werden, dass jeder Eingriff ein Risiko in sich birgt und ob man dieses notwendigerweise während der Schwangerschaft eingehen sollte, oder ob es nicht sinnvoller ist, ein paar Monate, jedoch mindestens bis nach der Entbindung, zu warten. Ebenso sollten bei einer medikamentösen Varikose-Therapie während der Schwangerschaft Nutzen und Nebenwirkungen gründlich gegeneinander abgewogen werden. Lediglich bestimmte Ausnahmefälle – wie zum Beispiel Blutungskomplikationen – können einen operativen Eingriff rechtfertigen.

 

Aktualität

Stand:16.08.2013