Krampfadern – Anzeichen für ein ernsthaftes Venenleiden

KrampfadernDer Begriff Krampfadern (oder fachsprachlich Varizen) bezeichnet knotenförmig ausgeweitete, oftmals auch geschlängelte und oberflächlich unter der Haut liegende Venen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Krampfadern als sackförmig oder zylindrisch erweiterte, oberflächliche Venen, deren Er- bzw. Ausweitung umschrieben oder streckenförmig ist und in der Regel mit einer Knäuelbildung oder Schlängelung einhergeht. Venen sind laut Definition diejenigen Blutgefäße, die das Blut zum Herzen zurückführen, wobei der Blutdruck in den Venen merklich niedriger ist, als in den Schlagadern (Arterien), die für den Transport des Blutes vom Herzen weg, also zu den Organen hin, zuständig sind. Dementsprechend zählen Venen zum Niederdrucksystem des menschlichen Blutkreislaufes; steigt der Druck in den Venen der Beine beispielsweise beim Sitzen oder Stehen deutlich an, kommt es mit der Zeit zur Ausdehnung der Venen – anders formuliert – es bilden sich Krampfadern. Entstehen bei einem Patienten sehr viele Krampfadern, spricht man medizinisch von einem Krampfader- oder Venenleiden, d.h. einer Varikose.

Frauen sind häufiger als Männer betroffen

Grundsätzlich steigt die Erkrankungshäufigkeit mit fortschreitendem Alter, wobei dreimal häufiger Frauen, als Männer betroffen sind und sich bereits um das 30. Lebensjahr die ersten Symptome zeigen können. Laut aktueller Schätzungen weisen etwa ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland asymptomatische Schäden mindestens eines Venensegments auf; wobei kleine Krampfadern (Besenreiser) mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent wesentlich häufiger auftreten, als eine Stammvarikose, deren Risiko bei 30 Prozent liegt.

In der Regel unterteilt man die Erkrankung aufgrund ihrer Entstehung folgendermaßen:

  • primäre idiopathische Varikosis: meist bedingt durch eine Venenwandschwäche aufgrund genetischer Disposition (circa 95 Prozent)
  • sekundäre Varikosis: meist bedingt durch eine andere Venenerkrankung wie zum Beispiel eine tiefe Beinvenenthrombose (circa 5 Prozent)

Formen von Krampfadern

Unter Berücksichtigung klinischer Kriterien bezüglich der betroffenen Venenabschnitte unterteilt man Krampfadern in folgende Hauptformen:

  • Krampfadern der oberflächlichen Stammvenen (Stammvarikose der Vena saphena magna oder parva)
  • Krampfadern an den Seitenästen der beiden Stammvenen des oberflächlichen Venensystems (Seitenastvarikose)
  • Krampfadern an den Verbindungsvenen zwischen oberflächlichem und tiefem Venensystem (Perforansvarikose)
  • Retikuläre Varikose, d.h. netzartige Venengeflechte an der Außenseite des Beines mit einem Durchmesser von zwei bis vier Millimetern
  • Besenreiservarikose, d.h. Krampfadern kleiner intradermal gelegener Venen, meist an der Rückseite des Oberschenkels mit einem Durchmesser kleiner als ein Millimeter

Allgemein gilt, dass die unterschiedlichen Formen der Varikose zwar grundsätzlich unabhängig voneinander, d.h. isoliert, auftreten können, in der Regel werden jedoch häufig kombinierte Formen unterschiedlicher Ausprägung und Zusammensetzung diagnostiziert, wobei es jegliche Variations- und Kombinationsformen gibt.

Die Stammvarikose

Aus medizinischer Sicht wird von einer Stammvarikose gesprochen, wenn (i) die große Rosenvene (Vena saphena magna), also die Stamm- und zugleich längsten Venen des menschlichen Körpers oder (ii) die kleine Rosenvene (Vena saphena parva) betroffen ist.

Große Rosenvene

Die große Rosenvene beginnt am Innenknöchel und zieht sich entlang der Innenseite von Unter- und Oberschenkel bis in die Leistenregion, in der sie circa zwei bis drei Zentimeter unterhalb des Leistenbandes in die tiefgelegene Oberschenkelvene (genauer: Vena femoralis communis) einmündet. In genau diesem Mündungsbereich befinden sich wichtige Venenklappen, die den Rückfluss (Reflux) des Blutes in die große Rosenvene verhindern. Werden diese Venenklappen insuffizient, kann dies eine Stammvarikose zur Folge haben.

Kleine Rosenvene

Die kleine Rosenvene entspringt dagegen an der Außenseite des Fußes und zieht sich an der Hinterseite der Wade vom Außenknöchel bis in die Kniekehle und mündet circa fünf bis sieben Zentimeter oberhalb des Kniegelenkspaltes in die Kniekehlenvene (Vena popliteia), von wo sie direkten Anschluss an das tiefe Venensystem hat. Die Einmündung selbst ist bezüglich ihrer Höhe variabel und kann möglicherweise auch komplett fehlen. Der großen Rosenvene entsprechend unterscheidet man verschieden Grade der Insuffizienz.

Seitenastvarikose

Sind Seitenäste der Stammvenen betroffen, spricht man von einer Seitenastvarikose, wobei der Begriff medizinisch unkorrekt ist, da Venen nicht über Seitenäste, sondern vielmehr über Zuflüsse verfügen. Meist treten Stamm- und Seitenastvariköse in Kombination oder aber die Seitenastvarikose ausgehend von der Stammvarikose auf. Daneben kann sich eine Seitenastvarikose jedoch auch isoliert entwickeln. In der Regel betrifft diese Form der Varikose häufiger den Unter- als den Oberschenkel und äußert sich durch deutlich tast- und sichtbare Krampfadern.

Perforansvarikose

Die direkten Verbindungen zwischen oberflächlichen und tiefen Venen bezeichnet man als Perforansvenen. Meist ist der Blutfluss in Richtung der tiefen Venen und wird durch Venenklappen reguliert, die insuffizient werden können. Eine medizinisch bedeutsame Perforans-Insuffizienz, tritt in der Regel niemals isoliert, sondern stets in Verbindung mit einer Stamminsuffizienz auf, wobei die Lokalisation und die Zahl der betroffenen Perforansvenen variabel sind. Lediglich einige Perforansvenen spielen bei der Entstehung von Krampfadern oder venösen Geschwüren eine entscheidende Rolle.

Retikuläre Venen und Besenreiser

Sind sehr feine, direkt unter der Haut oder aber in den oberen Schichten der Haut verlaufende Venen betroffen und schimmern diese blau-rötlich durch die Haut, dann spricht man charakteristischerweise von Besenreisern. Die Bezeichnung „Besenreiser“ leitet sich von der fächerförmigen Ausbreitung der Venen ab, die in der Regel an einen Reisigbesen erinnert. In erster Linie stellen diese fächerförmigen Venen ein kosmetisches Problem dar, welches jedoch genau dann medizinisch bedeutsam wird, wenn sie beim Betroffenen Beschwerden verursachen. Typische Symptome von Besenreisern sind ein brennendes, schmerzhaftes Gefühl, wobei es in sehr seltenen Fällen auch zu Blutungen kommen kann. Zwar werden diese von den Betroffenen in der Regel als bedrohlich empfunden, meist sind sie jedoch harmlos.

Der Unterschied zwischen Krampfadern und Besenreisern

Bei Besenreisern handelt es sich um eine Unterart der Varikose, wobei – anders als bei Krampfadern – die kleineren direkt in der Oberhaut liegenden sichtbaren fächer- bzw. netzförmigen Blutgefäße, d.h. die retikulären Venen, betroffen sind. Im Allgemeinen treten Besenreiser im Bereich der Beine entweder aufgrund einer genetischen Veranlagung oder aber infolge einer Stauung im Venensystem auf. Wie bei anderen Krampfaderformen auch, ist ein dauerhaft erhöhter Druck in den Venen dafür verantwortlich, dass sie sich weiten und als bläulich-rote, geschlängelte Gefäßstrukturen sichtbar werden. Allerdings handelt es sich bei Besenreisern meist weniger um ein medizinisches als vielmehr für die meisten Betroffenen um ein kosmetisches Problem.

Wie lassen sich Krampfadern entfernen?

Zur Behandlung von Krampfadern existieren zahlreiche effektive Methoden, welche optimalerweise während der Therapie miteinander kombiniert werden. Im Allgemeinen werden fünf verschiedene Therapiearten unterschieden:

  • Medikamentöse Therapie
  • Physikalische Maßnahmen
  • Kompressionstherapie
  • Verödung (besonders bei kleineren Krampfadern und Besenreisern)
  • Operation (größere Krampfadern werden gezogen oder anderweitig operativ entfernt)

Darüber hinaus gibt es verschiedene Sofortmaßnahmen, die sowohl prophylaktisch als auch therapeutisch einsetzbar sind:

  • Sport treiben/ Bewegung
  • das Tragen von Kompressionsstrümpfen
  • Durchblutungsförderung durch Wassergüsse
  • regelmäßiges Hochlagern der Beine

 

Aktualität

Stand:16.08.2013